Martin Oberrauner (36) ist Sportkegler aus Leidenschaft. Gerade versucht er mit seiner Mannschaft, den OSK Osttiroler Sportkeglern, unter die besten drei bei den Kärntner Landesmeisterschaften zu gelangen. Wir haben ihn zum Interview gebeten und mit ihm über die Faszination Kegeln gesprochen.

Wie bist du zum Kegeln gekommen?

Nachdem ich selbst eine Kegelbahn in unserem Gastronomiebetrieb in Bad Bleiberg zu Hause habe, war es naheliegend. Wir haben eine schöne, alte, zweibahnige Kegelbahn, die meine Familie in den 1990er Jahren umgebaut hat und so bin ich da hineingewachsen über die Jahre. Unsere Kegelbahn ist auch ein wenig in die Meisterschaften involviert. So ungefähr ab 1997 habe ich angefangen, bei regionalen Meisterschaften mitzuspielen. Ich bin dann bei einem Verein untergekommen und habe bei Landes- und Staatsmeisterschaften mitgespielt. Zudem war ich auch im Nationalteam und habe mit professionellen Trainern das Kegeln von der Pieke auf gelernt. So habe ich mich von Match zu Match gekämpft die letzten zwanzig Jahre.

Was waren deine größten Erfolge bisher?

In der Jugend habe ich ziemlich viel abgeräumt und war sicher dreimal Kärntner Landesmeister. Dann bin ich zu den österreichischen Einzelmeisterschaften gefahren, wo sich von jedem Bundesland die besten drei Kegler qualifizieren. Im Folgenden messen sich die 30 stärksten Teilnehmer und ich habe es immer unter die besten zehn geschafft. Auf dem Niveau herrscht schon ein eigenes Flair und hier habe ich viel gelernt. Heuer finden die Österreichischen Staatsmeisterschaften in Klagenfurt statt. Diesen Heimvorteil möchte ich natürlich ausnutzen und hoffe, dass ich mich dafür qualifizieren kann. Zuerst muss ich es aber mit meiner Mannschaft bei den Landesmeisterschaften unter die besten drei schaffen.

Wie bist du zu den Osttiroler Sportkeglern gekommen?

Früher habe ich beim SCO Ossiacher See Bodensdorf gekegelt. Wir hatten eine 6er Kegelbahn, die leider abgerissen wurde. Der Verein hat anschließend zu einer anderen Bahn gewechselt, auf der ich mich aber nicht wohlgefühlt habe. Die Stimmung war dementsprechend im Keller, weil der Verein seine Heimat und Kegelbahn verloren hat. Ich habe dann ein ganzes Jahr lang nicht mehr gespielt. Bei den Osttirolern gab es ähnliche Probleme. Die sind aus Laisach gekommen und haben sich ihre Heimstätte im Ferienhotel Sunshine aufgebaut, was von Familie Tiefnig tatkräftig unterstützt wurde. Der Verein ist an mich herangetreten und hat mich gefragt, ob ich nicht bei ihnen mitspielen möchte. Ich habe zugestimmt und gesagt, dass ich ihnen zum Aufstieg verhelfe. Die Mannschaft ist wirklich lässig und motiviert. Darüber hinaus ist die Kegelbahn im Ferienhotel Sunshine in einem top Zustand.

Wie können junge Menschen für den Kegelsport begeistert werden?

Am besten funktioniert das über Jugendförderung, die aber in den letzten Jahren in Kärnten relativ schwach war. Wichtig ist auch der Aufbau eines neuen Images. Kegeln soll weg kommen vom Klischee eines Gasthaussports, denn immerhin ist Kegeln auf Platz fünf der Schwergewichtssportarten. Die Jugend sollte über Schulen und Sportorganisationen direkt in die Sportstätten gebracht werden. Das beste Beispiel für eine moderne Sportstätte ist die Kegelbahn im Hotel Sunshine, aber auch über das Jugendleistungszentrum in Klagenfurt, das vom Land gefördert wird, könnten Jugendliche für den Kegelsport begeistert werden.

Ist beim Kegeln also ein Imagewandel wahrnehmbar?

Das Klischee, Kegeln sei doch nur ein Gasthaussport, hat es schon vor zwanzig Jahren gegeben. Aber wenn man sich damit beschäftigt, dann wird schnell klar, dass viel mehr dahintersteckt. Gerade bei einer Staatsmeisterschaft siehst du sofort, was die Sportler leisten. Vor allem in Deutschland, Tschechien, Ungarn oder Slowenien gibt es spitzenmäßige Kegler und auch die Bahnen sind dort ein Traum. Alles ist hinter Glas und da kommen wir schon weit weg von einem Gasthaus. Österreich ist diesbezüglich ein wenig hinten nach.

Möchtest du einmal bei einer Kegel-Weltmeisterschaft mitspielen?

Die Weltmeisterschaft findet jedes Jahr statt. Auf dieser Höchstligaebene musst du dann aber auch die dementsprechenden Quoten bringen, damit die Funktionäre und Trainer auf dich aufmerksam werden und dich fragen, ob du Lust und Zeit an einer Teilnahme hast. Mit dem Nationalteam waren wir beispielsweise in Kassel und haben Länderspiele und Trainingscamps absolviert. Hier musst du schon einiges an Freizeit mitbringen und Beruf und Familie unter einen Hut bringen. Für uns ist schon der nächste Schritt in die Bundesliga relativ schwer, denn die gegnerischen Mannschaften sind ja in Wien, Niederösterreich oder Burgendland und da bist du gleich viel länger am Wochenende unterwegs.

Bis zu welchem Alter kann man eigentlich kegeln?

Man kann bis ins hohe Alter spielen. Ich kenne Kegler, die weit über 80 sind. Natürlich können sie dann nicht mehr gewisse Leistungen bringen, aber es gibt durchaus Liegen, in die sie eingereiht sind. Hier leben sie dann einfach den Spaß am Sport, an der Bewegung an Geselligkeit voll aus. Trotzdem sollte auch Zeit für ein effektives Krafttraining eingeplant werden, damit sich die Gelenke nicht so stark abnutzen und ein Ausgleich zum Kegeln geschaffen wird. Ich gehe beispielsweise viel Wandern oder Radfahren. Wenn du eine körperliche Grundfitness hast, dann kannst du dich auch dem Aufbau deiner mentalen Stärke konzentrieren.

Was macht einen guten Kegler aus?

Die richtige Technik ist natürlich wichtig, aber eine hohe Ausdauer macht sicher zwei Drittel des Spiels aus. Des Weiteren ist die mentale Leistungsfähigkeit ein wichtiger Faktor. Ich habe mir da einiges von den Tennisspielern abgekupfert, wie sie sich konzentrieren und mit Druck umgehen. Auch im Training gibt es ein paar Tricks. Zum Beispiel kann man die Kegel mit einem Vorhang abdecken, sodass man die Augen nur auf den Auflagepunkt konzentriert. Die Routine verhilft guten Keglern auch zu einer besseren Präzision und Genauigkeit. Es kommt eben auf den richtigen Mix an, damit man ein guter Kegler wird. Der sportliche Erfolg und ein harmonisches Mannschaftsgefüge spornen natürlich ebenfalls an, dich ständig weiter zu verbessern.